Auf Grund meiner Faulheit in den vergangenen Monaten muss ich nun also mein Gedaechtnis bemuehen, um das Ende meines Semesters zu rekapitulieren. Zuerst zum akademischen Teil:
Ich hab ja meine vier Kurse in einem frueheren Beitrag ein wenig naeher beleuchtet. Zum Ende hin wurde es wie immer etwas stressig, Abschlussklausuren, Hausarbeiten, Referate standen ins Haus. Am meisten Sorgen hat mir aber mein final project in meiner Sports Creative Writing Class bereitet. Waehrend der Kurs das Semester ueber sehr abwechslungsreich und unterhaltsam war, lauerte da doch irgendwie immer unsere letzte Story am Horizont. Eine Story ueber einen UNC athlete unserer Wahl. Fuer diese Story (die zwischen 2000 und 3000 Woerter lang sein sollte), wurde von uns erwartet, dass wir mehrere Personen interviewen, um ein moeglich komplettes Bild zu haben.
Ich habe mir Sterling Smith vom women soccer team ausgesucht. Sie hat eine beispiellose Vergangenheit an Verletzungen (Kreuzbandriss in high-school, Kniescheibe rausgerutscht, Knochen im Gesicht gebrochen, Schulterblatt gebrochen, Meniskus gerissen, Microfracture surgery etc.) und doch kommt sie jeden Fruehling zurueck, um wieder auf hoechstem college Niveau zu trainieren und zu spielen. Sie hat einen unvergleichbaren Drang sich zu beweisen, zu kaempfen. Nachdem ich ihren Trainer, Mitspieler und die Physiotherapeutin interviewt habe, hatte ich genug Infos und kleine Anekdoten zusammen, um eine (hoffentlich) interessante Geschichte zu schreiben.
Hab im Endeffekt ein B+ bekommen und mein Prof meinte ‘You’ve saved the best for last’. Ich war also stolz und ueberzeugt, dass sich meine Schreibfaehigkeiten im Englischen deutlich verbessert haben ueber das Semester, besonders dank dieses Kurses (gleichzeitig gingen meine Deutschkenntnisse wohl den Bach runter, nun ja). Leider war meine Endnote nur ein B in dem Kurs – was ich bis heute nicht verstehe, da ich meistens nur Bs und B+ hatte, manchmal sogar A- in meinen Stories.
Ansonsten habe ich eine A- in meiner History of Broadcasting class vorzuweisen, ein B in meiner US Constitution class (die ich anfangs so gehasst habe, vor allem wegen einer Hausarbeit, die mir 5 Tage am Stueck gekostet hat, um research zu machen. Letztendlich ist fast mein komplettes Ostern in Wilmington drauf gegangen. Wenigstens hat sich der Aufwand gelohnt und ich konnte das C in meiner ersten Klausur im Laufe des Semesters in ein B umwandeln. In meiner Current Issues of Mass Communication class hab ich ein B+ bekommen. Insgesamt kann ich damit zufrieden sein, denn ich denke, dass die Balance zwischen Spass und Arbeit ausgeglichen war.
Ich habe eben Ostern erwaehnt..dazu eine kleine Zusammensetzung, wie ich das hier in den USA erlebt habe. Wir sind nach Wilmington gefahren, um Melissas Bruder beim Eier verstecken zu helfen. Waehrend Ava bereits geuebt im Eiersuchen ist, war es Adlers (ja, das ist sein Name) erstes Ostern. Wie schon an Weihnachten erlebt, fiel das ganze hier etwas geschenkreicher aus, als ich es gewohnt bin. Aber der grosse Wagen, den die Kinder bekommen haben, sollte sich als geniales Geschenk herausstellen. In dem Ding haben wir die Kleinen oft uebern Strand gezogen, ein grosser Spass!
Das ungewoehnlichste war wohl ein Erlebnis an einer High-School. Auch wenn ich selbst nicht dabei war, so wurde mir berichtet, dass ein Helikopter (!) 30.000 kleine Plastikeier auf einem grossen Football Feld abgeworfen hat. Die Kinder sind dann mit Koerben aufs Feld gerannt und haben meisterhaft gesammelt. Muss ein toller Anblick gewesen sein..und gleichzeitig ein Beweis fuer Amerikas Gefallen an Ueberfluss und Verschwendung. Ava aber strahlte ueber ihre Schaetze.
Leider war ich an dem langen Wochenende eher selten am Strand, die meiste Zeit musste ich – wie bereits angedeutet – damit verbringen 30 Entscheidungen von 6 Richtern am Supreme Court zu interpretieren. Jeden einzelnen Paragraph einordnen auf welcher Grundlage der Richter dort argumentiert…was ein Spass…
Zurueck zum akademischen Teil: Das Semester war also eher erfolgreich, ich bin zufrieden mit meinen Noten und denke, dass ich sehr viel gelernt habe. Bildung ist hier einfach auf einem ganz anderen Level. Man erhaelt zwar leichter gute Noten wenn man hart arbeitet, dafuer ist der Aufwand aber enorm. Aber da die meisten Themen sehr interessant waren, hat das Lernen manchmal sogar Spass gemacht. Am letzten Tag wird dann nicht mehr viel gearbeitet, eher gegessen und geschwatzt. Mit meiner Sportswriting class bin ich abends in ne Bar und wir haben Sport Geschichten ausgetauscht. Was gibts besseres, als mit 15 Sport verrueckten zu debatieren?!
Das Ende meines Semesters bedeutete ja auch das Ende meiner Zeit mit all den tollen Freunden aus aller Welt, die ich ueber den Verlauf des vergangen Jahres gesammelt habe. Auch wenn ich die meisten Naechte in Melissas Wohnung verbracht habe, hatte ich doch immer wieder die Gelegenheit, mit allen auszugehen und Spass zu haben. Kann es kaum erwarten, einige von ihnen in Berlin zu begruessen und selbst in alle Teile der Welt aufzubrechen und sie zu besuchen. Ich habe nun Bekannte in fast jeder Grossstadt auf der Welt.
Die Abschiedsparty war natuerlich sehr ausgelassen, aber auch traenenreich. So ganz das gleiche Feeling wie zum Ende des 1. Semesters kam nicht auf, zum einen fehlten einige wichtige Beteiligte wie Gregor oder Jono, unserer Al Pacino aus Australien oder Erik, der ewiglachende Daene. Trotzdem hatten wir Spass, denn die Austauschstudenten, die im 2. Semester zu uns gestossen sind, haben sich nahtlos ins Chapel Hill Nachtleben eingefuegt.
Es wurden viele Plaene geschmiedet, Verpsrechungen gemacht, Umarmungen ausgetauscht. Ich habe eine Flagge, auf die alle eine kleine Botschaft geschrieben haben. Das Lesen aller Widmungen habe ich mir aber aufgehoben fuer meinen Flug nach Deutschland. Bin schon gespannt!
Waehrend die meisten das Land in den kommenden Tagen verlassen haben, hatte ich ja noch einige Wochen in Amerika vor mir. Noch so viel zu sehen, aber noch so wenig Geld uebrig. Also wurden aus den ehemals grossen Plaenen leider nur Trips innerhalb North Carolinas. Was natuerlich nicht bedeutet, dass die weniger spassig waren.
Eine Woche nachdem ich meine letzte Klausur geschrieben habe, hatte Melissa ihre Graduation. 2 harte Jahre Masterstudiums wurden mit einer schoenen Zeremonie beendet. Alle waren in den typischen Roben gekleidet, es wurden Reden gehalten und am Ende hat jeder einen Handschlag und seine ‚hood‘ ueber die Schultern gelegt bekommen. Wie man es von Amerika gewohnt sein darf, war alles sehr feierlich, professionell und die Beteiligten fuehlten sich sicher sehr geehrt. Ich hoffe, dass unser Abschluss am JFK zumindest halb so glamuroes wird…..we’ll see.
Wie es der Zufall so wollte, hatte sich Familie von Melissa aus Deutschland angemeldet. Mit ihrem Onkel und ihrer Tante sind wir dann also alle fuer eine Woche nach Wilmington. Ich liebe die Ostkueste einfach, das Meer, der Strand, die Luft. Koennte jeden Tag einfach nur am Strand liegen, ein Buch lesen und den Wellen zuhoeren. Wenn man allerdings eine Gruppe von 13 Leuten ist (Melissas Eltern und ihre Cousine kamen ebenfalls vorbei), dann ist es immer schwer, alle zu mobilisieren. Und der Ablauf von Kleinkindern schraenkt einen natuerlich auch manchmal ein.
Nichtsdestotrotz haben wir einige Sandburgen gebaut, Picknick am Strand gemacht und ich habe sogar meinen ersten Haifischzahn gefunden! Dazu muss ich sagen, dass ich wohl stundenlang am Strand auf- und abgewandert bin, um endlich einen zu finden. Ohne Erfolg – besagten Zahn fand ich dann durch Zufall, als ich mit Ava Wasser in ihren Eimer fuellte. The harder you look, the less you find.
Paar Tage spaeter waren wir dann im North Carolina Aquarium und ich hatte die Gelegenheit, meinen Zahn mit ausgestellten Gebissen zu vergleichen. Muss ein ziemlich grosser Hai gewesen sein! Leider habe ich den Namen vergessen, aber ich werd den Zahn mit nach Deutschland bringen.
An einem Tag hab ich dann einen weiteren Staat der USA kennen gelernt: South Carolina. Genau genommen die Outlet Mall von Myrtle Beach. Also nicht wirklich was aufregendes, aber wenigstens ein guter Platz, um mal wieder Klamotten zu kaufen…aber ich war brav, habe nur ein Polohemd gekauft!
Was gibt es sonst ueber Myrtle Beach zu berichten? Wie so oft in meiner Zeit hier in den USA hatte ich mal wieder Glueck. Es ist so, als plane hier jemand ein paar grosse Ereignisse nur fuer mich. Denn als wir dort waren, war Bikerweek. Die gesamte Stadt war also belagert von Harley Davidsons, hardcore Bikern und anderen interessanten Gestalten.
Ansonsten bietet Myrtle Beach nur eines: unzaehlige Minigolf Plaetze. Riesige Anlagen, Themepark aehnlich.
Fuer die letzte Nacht hatte sich Melissas Bruder auch etwas ganz besonderes fuer ihre Graduation ausgedacht: Ueber einen bekannten Arzt (seine Frau ist Aerztin), haben sie eine Yacht gemietet.
Auf der sind wir dann eines Abends losgesegelt, inklusive Koch und gutem Dinner. War eine lustige Fahrt, der Sonnenuntergang war perfekt und wir haben sogar Delphine gesehen! Genau genommen haben die uns gesehen, denn die haben uns einen Teil unserer Fahrt begleitet. Also nicht nur mein erster Haifischzahn sondern auch meine erste Delphinsichtung. Haben viele tolle Fotos gemacht, die ich hoffentlich irgendwann mal hochladen werde…habt Geduld.
Anschliessend ging es zurueck nach Durham, nur um direkt wieder nach Fayetteville zu fahren. Eine gute Freundin von Melissa war wieder in der Stadt. Ausserdem waren es aufregende Wochen fuer Melissa, da schadet es sicher nicht, die Eltern um sich herum zu haben. Mitten in der Jobsuche hat sich dann eine einmalige Gelegenheit aufgetan: Ein moeglicher Arbeitgeber war bereit, sie jetzt schon anzustellen, aber sie muss erst im September beginnen.
Was das bedeutet? Madame kommt nach Deutschland! Sie laesst mir drei Wochen Zeit, mich wieder an meine Heimat zu gewoehnen und dann kommt sie nachgeflogen, um mal mein Leben live zu erleben. Also lasst uns alle sicherstellen, dass sie Berlin und meine Freunde von ihren besten Seiten erlebt. Macht auch den Abschied wesentlich leichter, wenn man weiss, dass man sich in paar Wochen ja schon wiedersieht.
Also wie so oft: everything works out. Man muss halt nur dran glauben!