Dies ist also bereits das dritte Weihnachten in Folge, das ich entfernt von Familie, Freunden und Schneechaos in North Carolina verbringe. Waehrend das erste noch von Spontanitaet gepraegt war, da ich Melissa und ihre Familie erst kurz zuvor kennen gelernt habe, fuehle ich mich inzwischen als fester Bestandteil dieser typisch amerikanischen Familie. Typisch insofern, dass die deutschen und iranischen Wurzeln der Familie sinnbildliche fuer Amerikas Immigartionsgeschichte stehen.
Daher ist mein Weihnachten hier oft ein Sammelsurium aus verschiedenen Braeuchen, in seinem Kern aber doch irgendwie deutsch. Angefangen damit, dass wir die Geschenke hier am 24. ueberreichen, nicht etwa morgens am 25. wie in den meisten Familien in den USA ueblich. An Heiligabend haben wir zuerst ausfuehlich gespeist – es gab ein kaltes Buffet mit deutschen, amerikanischen und iranischen Spezialitaeten (ich nenne hier Leberwurst, Kaese und gutes Brot mal einfach deutsche Spezialitaeten, da diese nicht immer leicht zu finden sind hier) – und anschliessend steigen alle ins Auto und wir fahren Lichter angucken. Ava, inzwischen 5 Jahre alt, weiss natuerlich laengst, dass Santa Clause immer genau dann auftaucht, wenn wir unterwegs sind, um geschmueckte Haeuser in der Nachbarschaft anzuschauen.
Zum Glueck glaubt sie trotzdem noch an den Weihnachtsmann und diese Tradition wurde dieses Jahr auf besondere Weise bestaetigt. Waehrend die Kinder im 1. Auto bereits unterwegs waren, haben Melissa, Sarah, Markus und ich schnell alle Geschenke aus der Garage unter den Weihnachtsbaum gelegt. Wir sind dann schnell ins 2. Auto gesprungen, den anderen hinterhergefahren, um die Illusion aufrecht zu erhalten. In einer Nachbarschaft gab es ein besonders schoen geschmuecktes Haus, das komplett in Lichterketten getaucht war. Vor dem Haus sass der als Weihnachtsmann verkleidete Besitzer und hat candy an die vorbeifahrenden Betrachter verteilt. Da wir inzwischen vorangefahren sind, haben wir ihm gesagt, er solle den Kindern im folgenden Auto sagen, dass er soeben an ihrem Haus vorbeigekommen sei und alle Geschenke geliefert hat.
Entsprechend aufgeregt waren sie dann, als wir wieder zuhause angekommen sind, da ihnen ja eben Santa hoechstpersoenlich noch erzaehlt hat, dass er seinen Dienst soeben erfuellt hat. Falls ihr euch fragt, wie man deutschstaemmigen Kindern in den USA erklaert, warum der Weihnachtsmann die Geschenke ihnen bereits an Christmas Eve liefert, allen Kindern in der Nachbarschaft aber erst am kommenden morgen, den verweise ich auf diese simple Logik: Ist doch klar, dass Santa, nachdem er allen Kindern in Europa Geschenke gebracht hat, zuerst bei denen vorbeischaut, die ebenfalls europaeische Wurzeln haben, wenn er den Sprung ueber den grossen Teich wagt. Nun ja, bisher funktioniert diese Geschichte noch ganz gut, mal sehen, wann die Kleinen anfangen das zu hinterfragen.
Wie gesagt, Ava und Adler sprangen also mit der Gewissheit aus dem Auto, dass innerhalb des Hauses viele Geschenke auf sie warteten. Das sah dann ungefaehr so aus:
Die naechste Stunde haben wir dann den Kindern beim auspacken und spielen zugeguckt. Nachdem die Kleinen dann ins Bett sind, haben wir Erwachsenen Geschenke ausgetauscht. Ich habe viele tolle Buecher, Filme etc. bekommen, Melissa hat mir Karten fuer ein NHL Spiel geschenkt, da wir in Raleigh die Carolina Hurricanes haben und ich immer schon mal ein Eishoecky Spiel live sehen wollte. Ich habe ihr private Tanzstunden geschenkt, und das kam auch ganz gut an, nachdem ich die letzten zwei Jahren mit meiner Geschenkewahl eher ins Klo gegriffen habe. Kreativ schenken ist definitv keine meiner Staerken.
Wir haben ausserdem eine Xbox Kinect bekommen, und ich kann allen nur raten, sich das Ding auch zu holen. Wenn man das erste mal die Menues mit einer blossen Handbewegung gesteuert hat, fuehlt man sich wie ein Jedi Ritter in Star Wars. Es ist toll live zu erleben, was inzwischen technisch alles moeglich ist. Keine controler mehr noetig und man kann den ganzen Koerper zum spielen benutzen. Wir haben ein Adventure Spiel dazu bekommen, wo man allein oder mit mehreren in der Gruppe durch eine Komikwelt rumhuepft. Melissa hat dann noch ein Tanzspiel gekauft, wo man dann mehr oder weniger akrobatische Choreographien nachtanzen musste. Das Ganze hat irgendwie was von nem richtigen workout.
Am 1. Weihnachtstag gab es dann klassisch Braten, mit Rotkohl etc und wir haben die kommenden Tage mit der Familie verbracht. Und auch wenn ich die nette Gesellschaft und das gute Essen hier ausfuehrlich genossen habe, so habe ich doch immer wieder an meine Familie und Freunde in Deutschland gedacht. Die Gruppe hier wird jedes Jahr groesser (Allie, das 3. Kind von Melissas Bruder, hat sich dieses Jahr dazu gesellt) und einestages, so hoffe ich, kann ich auch meine deutsche Familie mal hier begruessen. Euch allen ein Frohes Fest



