Verfasst von: Arne | Januar 12, 2011

Happy New Year

Hey now,

ich will meinen Neujahrs-Eintrag dafuer nutzen, um ueber ein lustiges Phaenomen in NC zu berichten: altbekannt sind ja die unzaehligen Berichte darueber, wie einfach es ist in den USA (speziell im Sueden) eine Waffe zu bekommen. Man oeffent einen bank account oder kauft ein Auto, und als Bonus kriegt man eine Schrotflinte oben drauf. Geschichten wie diese vermitteln den Eindruck, dass Waffengesetze hier so leger sind wie die grundsaetzliche Bereitschaft der Amerikaner zu ihrem Gebrauch.

Ich kann diese Erlebnisse bisher eher nicht bestaetigen, aber vermutlich sind college Studenten, mit denen ich groesstenteils zu tun habe, auch nicht die typischen Waffenbesitzer. Persoenlich habe ich bisher nur eine einzige Erfahrung mit Waffengebrauch hier gemacht, aber von meinen ersten Gehversuchen am Gewehr erzaehle ich an anderer Stelle. Heute moechte ich diese Einleitung nutzen, um auf eine irgendwie ironisches Paradoxum in North Carolina hinzuweisen: Feuerwerkskoerper sind illegal.

Waehrend in Deutschland am 1. Januar tonnenweise roter Matsch und das Sammeln von unzaehligen Raketenstoecken beim Neujahrsspaziergang deutlicher Beleg fuer die Vorkommnisse der vergangenen Nacht sind, so sind die Strassen in NC um Mitternacht herum leise und der Himmel stockdunkel. Ganz North Carolina? Nein…ein kleines rebellisches Haus an der Kueste wehrte sich erfolgreich gegen das Establishment.

Eine Gruppe traditionsbewusster Teutonen hat – mit Hilfe einer wehrhaften Englaenderin, die mit ihren unzaehligen “Oh No! Not the neighbor’s car!” sichergestellt hat, dass auch die gesamte Nachbarschaft wach bleibt – fleissig Boeller angezuendet, Raketen in die Luft geschossen und roemische Fackeln abgebrannt. Wie aber kam dieses kampffreudige Voelkchen an seine Waffen, wenn man doch im lokalen Wal-Mart nur Knallerbsen und Luftschlangen erwerben kann?

Wenn North Carolina Deutschland ist, dann ist South Carolina Polen. All die guten Dinge, die hier verboten sind, kann man direkt hinter der Grenze in grossen, extra dafuer eingerichteten, Laeden kaufen. Da die Grenze SC’s nur ca. 80 Min. von Wilmington entfernt ist, haben wir uns also paar Tage vor Silvester aufgemacht, um aufzuruesten. Melissa, ihr Bruder und Dad, und ich haben uns also nach Myrtle Beach aufgemacht, ein Ort in SC der vor allem fuer seine unzaehligen, spektakulaeren Minigolfanlagen bekannt ist (abgesehen von seiner Funktion als absolute Party- und Touristenstadt und einer beeindruckenden Outlet Mall).

Eines von vielen Schildern

Je naeher man der Grenze kommt, desto zahlreicher werden die Schilder, die die besten Angebote fuer Fuerwerkskoerper versprechen. Und so bund und gross wie die Plakate waren, so sahen dann auch die Laeden aus. Eine beeindruckende Sammlung der verschiedensten fireworks, frisch aus China importiert. Es gab alles, was man sich vorstellen konnte: Riesige Batterien, die hunderte Geschosse auf einmal abfeuern koennen, so-gut-wie-echt aussehende (Rauch-) Granaten, kleine Panzer, die Funken spruehen, und eine beeindruckende Auswahl an Boellern und Raketen. Ich habe zwar schon immer eine Neigung zu Feuerwerkskoerpern gehabt, aber die kleine Ecke, die der Kiosk nebenan in Deutschland fuer seine Boeller zur Verfuegung gestellt hat, kam dann doch nicht ganz an dieses Meer an Knallern heran.

Genug Zuendstoff fuer den Hobby Knaller

Gemessen an der Auswahl waren unsere Einkaeufe aber modeart und wir haben keine der ganz grossen, lauten Dinger gekauft. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die Preise recht deftig waren. Nicht verwunderlich, bedenkt man, dass die Laeden an der Grenze sich ja vor allem an Leute richten, die in ihrem eigenen Staat keine Boeller kaufen koennen. Der Verkaeufer war sich der Abzocke wohl auch bewusst, denn er hat uns den ein oder anderen Knaller gratis ueberlassen, und jedem von uns noch eine Batterie von kleinen Raketen oben drauf gepackt.

Vollgepackt sind wir also zurueck nach North Carolina und die Vorfreude auf Silvester war gross (jedennfalls unter den Maennern). Haben dann bei unserer Ankunft auch gleich mal einige der lautlosen Versionen ausprobiert. Markus hat sich ein Teil geholt, dass bei Explosion einen kleinen Soldaten in die Luft schiesst, der dann an einem Fallschirm mit ca. einem halben Meter Durchmesser sanft zurueck zur Erde gleitet. Das war schon mal ein guter Auftakt.

An “New Years Eve” haben wir dann, begleitet von einer guten Freundin Melissas samt Kindern und Ehemann plus zweier Freunde der Eltern aus Fayetteville, erst ausfuehrlich kaltes Buffet gehabt und anschliessend Wii und Kinect gespielt. Zu Mitternacht hin haben wir dann eine DER Institutionen des amerikanischen Fernsehens eingeschaltet: New Year’s Rockin’ Eve mit Dick Clark und Ryan Seacrest. Waehrend letzterer so eine Art amerikanischer Olliver Geissen ist (u.a. ist er der Host von American Idol), ist Dick Clark eine TV Legende, der besagte Silvester Show seit 1972 moderiert.

Bedauerlicherweise hatte Clark vor einigen Jahren einen Schlaganfall und ist seitdem deutlich sprachgeschaedigt. Entgegen den typischen Gegebenheiten der Fernsehbranche wurde er aber nicht umgehend ausgetauscht, sondern moderiert weiterhin die New Year’s Show, wenn auch mit immer weniger eigenem Beitrag. Leider fuehrt seine Konstitution manchmal zu unfreiwillig komischen Szenen, so zum Beispiel als er 2009/2010 sich bei seinem legendaeren countdown um Mitternacht verzaehlt hat…

Jeder kann nun fuer sich selbst entscheiden, ob es irgendwie ruehrseelig ist, dass ABC weiterhin bereit ist, ihn diese Show zu moderieren, oder ob es einfach nur traurig ist, dass er offenbar nicht loslassen kann. Denn was ist ein Moderator ohne sein entscheidendes Qualitaetsmerkmal – seine Sprachfaehigkeit? Anyway, wir haben also streng der amerikanischen Tradition auf einige lustige/traurige Versprecher von Dick Clark gehofft (besonders amuesant ist es, wenn seine Co-Moderatoren so tun, als haetten sie irgendetwas seines Genuschels verstanden “You said it, Dick”)  und dann um Mitternacht angestossen.

Anschliessend sind wir vor die Tuer und haben unsere Knaller gezuendet. Wie in der Einleitung schon angedeutet, waren wir das einzige Haus in der Nachbarschaft, dass dieser guten alten Tradition gefolgt ist. Der Rest lag in Stille und hat vermutlich die Faeuste geballt “Those Germans!”

2010 ist also vorbei, ein fuer mich sehr ereignisreiches Jahr (Bachelor Abschluss, erfolgreiche Master Bewerbung, Aufloesung meiner ersten eigenen Wohnung, Wiedervereinigung mit Melissa in den USA etc…ach ja und die Lakers haben den Titel verteidigt) und ich bin optimistisch, dass 2011 genau so aufregend wird. Hoffen wir es mal, denn sonst haette ich ja nix zu schreiben hier. Euch allen ein gesundes und erfuelltes 2011!


Antworten

  1. ist denn nur der Verkauf der Feuerwerkskörper illegal in NC oder auch das
    abfeuern? “oh not the neighbor’s car” hat keinen Nachbar auf die Straße
    gelockt?


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