Hey now,
die letzten Tage in North Carolina wurden dominiert von Glatteis. Was macht da mehr Sinn, als endlich mal ein Eishockey Spiel live zu sehen? Schliesslich haben wir hier in Raleigh unser eigenes pro team, die Carolina Hurricanes. Ich war in den 90ern ein grosser Hockey Fan, bevor der lockout in 2004 das Ende der gesamten Saison bedeutete und viele Spieler anschliessend die Teams gewechselt haben. Hockey ist seitdem in den USA fast zur Bedeutungslosigkeit verkommen, MLB, NFL und NBA sind deutlich beliebter.
Ein lockout findet satt, wenn sich Spieler und Teambesitzer nicht auf ein neues Gehaeltermodell einigen koennen und daher der Spielbetrieb nicht stattfinden kann. In der Regel gewinnen die Besitzer, da sie am laengeren Hebel sitzen, und ueberraschend viele Spieler von paycheck to paycheck leben. Der NBA und der NFL drohen lockouts diesen Sommer, da die gueltigen Vertraege auslaufen (in der Regel wird alle 10 Jahre neu verhandelt).
Aber bevor ich jetzt weiter mit Sportrecht chitchat langweile, zurueck zum Thema. Offenbar hab ich oft genug in Melissas Gegenwart erwaehnt, wie toll ich Hockey finde, da ich unter dem Weihnachtsbaum zwei Karten zu einem Hurricanes spiel fand. Leider hat sich dann spaeter herausgestellt, dass ich genau zu dem Zeitpunkt des Spiels meinen ersten Unikurs haben wuerde, und wir haben die Karten online zum Verkauf angeboten.
Aber wie das Leben nunmal so spielt, ergab es sich, dass mein Professor genau an diesem Tag sein erstes Baby erwartete, und daher lieber mit seiner Frau im Krankenhaus verweilte, anstatt den Kurs zu geben. Ausserdem sorgen Winterverhaeltnisse in den Suedstaaten auch immer dafuer, dass bei ein bisschen Schnee oder Eis sofort alles abgesagt wird. Kein Kurs, die Strassen und Gehwege glatt, da der Streudienst hier nur sehr sporadisch eingesetzt wird, alles war also angerichtet fuer ein gutes Eishockey Spiel.
Und ein gutes Spiel sollte es werden. Nachdem die ‘Canes 2x gegen die Calgary Flames in Rueckstand gerieten waehrend des 1. Drittels, kamen sie aber jeweils zurueck. Im 2. Drittel drehten die Maenner um All-Star Eric Staal auf und gingen 5:2 in Fuehrung, nur um dann im 3. Drittel wieder drei Buden zu kassieren. Das Spiel ging also in die Verlaengerung, aber auch da konnte kein Sieger gefunden werden. Zum Glueck nahm alles ein glueckliches Ende, als die Hurricanes einen ihrer drei Versuche verwerteten, wohingegen alle drei Flames Spieler am anderen All-Star Cam Ward scheiterten.
Rundherum also ein aufregendes Spiel, wenn ich auch ein wenig von der Atmosphaere enttaeuscht war. Das lag zum einen daran, dass das RBC Center wegen des Glatteises nicht ausverkauft war, zum anderen aber auch an der Zusammensetzung der Zuschauer. Genaehrt durch zahlreiche Geschichten ueber das ruepelhafte Verhalten, der singenden und kampfeslustigen Eishockey Fans, war ich ueberrascht im RBC Center vornehmlich Familien zu sehen. Gesungen wird bei amerikanischen Sportveranstaltungen eh kaum und die Alkoholpreise (8 Dollar fuer ein Bier) luden wohl auch nur wohlhabende Fans zu exzessivem Genuss ein.
Dafuer wurde aber etwas anderes geboten, was einfach zur amerikanischen Variante des Eishockeys gehoert: Fights! Mit zunehmender Spieldauer wurde das Geschehen aggressiver und die ersten Rempeleien begannen. Kurz darauf folgte auch der erste Kampf, der eine 5 minuetige Sperre fuer beide Beteiligten zur Folge hatte. Interessanterweise steigt der Lautstaerkepegel immer dann am meisten, wenn die Handschuhe fallen und zwei Spieler bereit sind, sich gegenseitig auf die Nase zu hauen. Nicht etwa ueber Tore wird am lautesten gejubelt, sondern ueber Pruegeleien.
Das Highlight war, als sich einer der kraeftigsten und groessten Flames Spieler mit einem der kleinsten Canes angelegte, kam der kleinstgewachsene angesprungen und rang ihn nieder. Jeff Skinner scheint hier sowas wie der neue Held zu sein, da er trotz seiner geringen Koerpergroesse super aggressiv ist, die Fans lieben ihn jedenfalls. Passend, dass er es auch war, der das Spiel mit seinem shootout Tor entschieden hat. Leider habe ich nur ein Video gefunden, wo die Szene kurz zu sehen ist (so ca. ab 1:38):
http://video.hurricanes.nhl.com/videocenter/console?catid=684&id=91944
Faszinierend zu sehen, wie sehr die amerikanischen Fans die Schlaegereien im Eishockey lieben. Als die USA ueberraschend das Finale bei den Olympischen Winterspielen erreicht haben, war die Ueberraschung der meisten US Fans gross, dass es ueberhaupt keine Auseinandersetzungen im internationalen Eishockey gibt. Das Phaenomen scheint sich ausschliesslich auf die NHL zu beschraenken, und die Reaktion der Fans im RBC Center am Dienstag hat das bestaetigt.
Ich hatte jedenfalls ne menge Spass und werde den Saisonverlauf der Hurricanes ab jetzt etwas genauer verfolgen. Schliesslich sollte man das einzige Pro Sport Team in der Stadt auch unterstuetzen! Die NFL und NBA Teams spielen naemlich im drei Stunden entfernten Charlotte. Und da das NHL All-Star Game dieses Jahr auch nach Raleigh kommt, ist es vielleicht ein guter Zeitpunkt, die NHL mal wieder etwas naher zu verfolgen. Schliesslich bin ich mit Pro und College Basketball, Pro und College Football, europaeischen Fussball und Radfahren, Snooker, etc etc. noch nicht genug ausgelastet…Melissa hasst ihr Weihnachtsgeschenk sicher jetzt schon.
Cheers

